Vanlife: Tipps für Camping in Schweden
Die schönste Route durch Südschweden, Campingplätze, Cafés und Outdoor-Tipps für deinen Roadtrip.

Plane deinen Schweden Roadtrip
Schweden-Camping deluxe
Selten bin ich mit so wenigen Erwartungen in ein Land gereist, denn ich hatte dieses Mal gar keine Zeit für Wunschdenken. Auf der Agenda standen nur harte Fakten: Route festlegen, Campingplätze eruieren, Campervan abholen, Primus-Equipment in die Schränke reinpuzzeln. Lebensmittel haben wir natürlich auf Vorrat gekauft. Schweden sei ja sooo teuer.
Eines gleich vorweg: Nudeln, Reis und Tomaten-Sauce haben wir wieder mit nach Hause gebracht und Schweden stattdessen lieber inklusive Geschmackssinn erlebt. So landeten frischer Fisch, Meeresfrüchte und Gemüse auf dem Camping-Grill. Außerdem verging kein Tag ohne den Besuch einer Steinofen-Bäckerei oder einer der wunderbaren Cafés und Landhäuser. Später mehr kulinarische Tipps. Jetzt gibt es erst einmal die Route.
Vorbereitungen für die Schwedenreise
Schweden Anreise & Rückreise
Anreise
Von Koppenhagen gelangt man über die 8 Kilometer lange Öresundbrücke nach Malmö.
Rückreise
Zurück geht es mit der Fähre ab Trelleborg bis Rostock. Z. B. über Nacht von 23 bis 6 Uhr.
Camper
Wir waren unterwegs mit dem Campster. Ein Raumwunder ohne Parkplatzprobleme.
Route durch Südschweden



Etappe 1 -> Von Ystad nach Karlskrona
Die Region Skåne steht auf dem Programm. Wir beginnen in der hübschen Kleinstadt Ystad. Vom Campingplatz ist man mit dem Fahrrad in zehn Minuten in der Altstadt. Traumhafte Fachwerkbauten und nette Geschäfte, dazu ein sehenswertes Kloster (bis 17 Uhr geöffnet) und Museen. Wer kann, sollte für Ystad einen halben Tag einplanen. Danach Entspannung am Sandstrand gegenüber des Campingplatzes.
Am nächsten Tag geht es gegen den Uhrzeigersinn entlang der malerischen Küste durch Österlen, den östlichen Teil von Skåne. Schöner Zwischenstopp in Ales stenar, um die historische Steinsetzung anzuschauen. Anschließend kann man im Hafen von Kåseberga sehr gut Fisch essen. Es ist übrigens Drehort der Krimi-Reihe Kommissar Wallander. Auf dem Weg nach Karlskrona passieren wir kleine Dörfer, Landcafés, Hofläden, tolle Kunst-Galerien irgendwo im nirgendwo und lange Sandstrände. Wir halten ungelogen an drei Land-Cafés, weil uns das erste Olof Viktors so gut gefällt, dass wir mehr davon wollen.
Je nachdem, wie viel Zeit Du hast, kannst Du auch eine weitere Nacht einplanen, z. B. auf dem Campingplatz außerhalb von Kivik direkt am Strand. Dann bleibt mehr Zeit, die wirklich bezaubernde Region zu sehen und ein Abstecher zum Sumpfgebiet von Kristianstad wäre auch noch drin. Den mussten wir aus Zeitgründen weglassen. Dafür haben wir so ziemlich alle hübschen Dörfer abgeklappert: Vitemölla, Baskemölla, Brantevik, Skillinge – kleine, pittoreske Fischerdörfer, in denen es dank Jedermanns-Recht viele Wanderwege entlang der Küste gibt.
Etappe 2 -> Karlskrona bis Kalmar
Heute geht’s zum Sightseeing in die UNESCO Weltkulturerbe-Stadt Karlskrona. Am Campingplatz leihen wir Fahrräder aus und fahren damit durch die Stadt, die auf mehreren Inseln verteilt liegt. Brücken verbinden die Stadt-Viertel. Sehenswert sind die kleinen malerischen Häuser auf Brändaholm und das Arbeiterviertel Björkholmen. Das Marin-Museum ist Südschwedens meistbesuchte Attraktion, inklusive begehbarem U-Boot. Der Eintritt ist frei.
Die Öffnungszeiten sind in Schweden gewöhnungsbedürftig, im Sinne von viel zu kurz! Viele Museen öffnen erst um 10 und schließen wieder um 18 Uhr. Das gilt auch für Läden. Das Marin-Museum hat von 9 bis 17 Uhr auf. Zum Sonnenuntergang geht’s auf die Insel Stakholmen, wo sich gefühlt halb Karlskrona trifft. Unweit davon befindet sich das Restaurant Kai Krog: hervorragende japanische Küche und tolle Location direkt am Meer.
Ausflug in die Schären vor Karlskrona
In Schweden gehört ein Ausflug in die Schären-Gärten dazu. Schären (kleine vorgelagerte Inseln) gibt es auch in Karlskrona. Wir unternehmen eine Radtour auf die Insel Aspö. Dorthin verkehrt die kostenlose Fähre halbstündlich bis stündlich. Einfach Räder aufs Boot schieben, sich eine halbe Stunde durch die Schären chauffieren lassen und dann über die Insel radeln.
Abschied von Karlskrona und Kurs auf Kalmar – nicht ohne einen Zwischenstopp in Kristianopel. Das malerische Dorf mit alter Stadtmauer und kleinen Straßen mit Rosen-Stöcken vor jedem Haus war Dänemarks letzte Bastion in Schweden. In Kalmar gibt es viel zu sehen. Besonders schön ist das Schloss unweit der Altstadt. Von Kalmar ist auch ein Abstecher auf die Insel Öland möglich, auf der die königliche Familie im Sommer residiert. Die Insel ist riesig. Wer rüberfährt, sollte mindestens einen halben bis ganzen Tag einplanen.
Skåne im Sommer





Etappe 3 -> Von Kalmar nach Jönköping
Unweit von Kalmar liegt im Landesinneren das Glasreich mit mehreren Glashütten. Sehenswert ist beispielsweise die Glashütte Orranäs Glasbruk. Danach wieder on the Road und weiter nach Vimmerby, der Heimat von Astrid Lindgren. Wir schließen uns einer Führung im Elternhaus der Autorin an und werden selbst wieder zu Kindern.
Wer Pippi Langstrumpf und Michel aus Lönneberga mag, ist hier goldrichtig! Ganz wundervoll ist auch ein Abstecher zum Drehort von „Wir Kinder aus Bullerbü“.
Auf dem Weg nach Jönköping kommen wir an Eksjö vorbei, Schwedens bestbewahrte Holzstadt. Wir übernachten 15 Kilometer südlich von Jönköping auf dem Campingplatz Lovsjöbaden.
Etappe 4 -> Jönköping bis Dalsland
Durch die Region Västergötland fahren wir hinauf nach Dalsland. Trotz seiner guten Erreichbarkeit ist Dalsland selbst für die Schweden ein relativ unbekannter Teil des Landes. Das hat dazu geführt, dass die Wildnis hier ziemlich unberührt geblieben ist. Mit rund tausend schimmernden Seen und tiefen Wäldern ist sie ein Spielplatz für Naturliebhaber.
Wir gehen aufs Wasser und paddeln durch die wunderbar unberührte Landschaft. Später besichtigen wir das Håverud Aquädukt am Dalsland-Kanal und fahren dann weiter zum Kulturzentrum „Not Quite“ etwas nördlich. In einer stillgelegten Papierfabrik entstand ein Mix aus Kunstmuseum, Galerie, Café und Steinofenbäckerei. Apropos: Wir sind seit Beginn der Reise ein großer Fan der Steinofenbäckereien. Unsere häufigste Suche bei Google Maps: Stenugnsbageri!
Restaurants & Cafés
Food-Tipps
Südschweden
Ich habe zuhause in Deutschland nie von der schwedischen Küche gehört. Auch wenn uns die Kulinarik eines Landes sehr interessiert, haben wir in diesem Fall gar nicht viel drüber nachgedacht, weil vermutlich zu teuer und nichts besonderes. Dass das ein Irrtum war, merkten wir recht schnell. Die Konserven fuhren wieder mit uns nach Hause. Stattdessen erlebten wir den Geschmack Schwedens auf dem Teller.
Die Landhs Konditori in Mullsjö bietet täglich wechselnde Büffets. Viel frischer Fisch und schwedische Leckereien, sehr günstig.
Bei Jord & Bord gibt es nicht alltägliche vegetarische Küche, Marke Eigen-Anbau. Mitten im Krautgarten zwischen Getreidefeldern.
Die Landcafés in Schweden sind geschmacklich wie optisch super empfehlenswert. Wir haben uns in die Stenugnsbageris verliebt.
Tiraholms Fisk in Unnaryd – ein Ort inmitten schöner Natur. Das perfekte Dinner mit frischem Fisch direkt aus dem angrenzenden See.
Kai Krog in Karlskrona ist das wohl beste japanische Restaurant außerhalb von Japan, in dem wir je gegessen haben. Direkt am Meer.
In Göteborg und Malmö sind die Markthallen ein Muss. Lecker essen von Burger bis Delikatessen. Immer ein Highlight für die Augen.
Etappe 5 -> Von Dalsland nach Tjörn
Es geht zurück ans Meer. Dieses Mal in die Region Bohuslän im Westen Schwedens. Die Küste von Bohuslän zieht sich fast 280 Kilometer von Göteborg bis hinauf nach Norwegen. Vor der Küste liegen 8.000 Inseln, ein riesiger Schärengarten. Bis vor etwa einem Jahrhundert lebten die Menschen an der Küste und auf den Inseln vom Heringsfang und der Gewinnung von Gestein. Kleine Fischerdörfer liegen zwischen glatten Granitfelsen. Wer hier mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs ist, kann einiges entdecken: Der Küstenweg Kuststigen und der 370 Kilometer lange Fernwanderweg Bohusleden führen hier entlang.
Wir fahren mit dem Camper auf die Insel Tjörn im südlichen Teil von Bohuslän. Sie ist über eine Brücke mit dem Festland verbunden und ist unser Standort für die nächsten zwei Tage. In Skärhamn lockt der Hafen und das nordische Aquarellmuseum. Mit Patrik von Kajaktiv Tjörn paddeln wir durch die Schären. Die Szenerie ist fast unwirklich. Abends buchen wir uns auf unserem Campingplatz Hav & Logi in den Relax-Bereich ein und genießen Sauna mit Hot Tub und Sonnenuntergang.
Etappe 6 -> Halbinsel Tjörn bis Göteborg
Auf dem Weg Richtung Süden gelangen wir in die zweitgrößte Stadt Schwedens: Göteborg. Bekannte haben so davon geschwärmt, dass die Erwartungen an dieser Stelle groß waren. Tatsächlich verliebten wir uns in die blumenreichen Parks und die alten Gebäude entlang des Kanals. Mit dem Paddan Sightseeing-Boot starteten wir von Kungsportsplatsen (direkt in der Stadtmitte) auf eine Bootstour durch die Kanäle.
Ich persönlich liebe den Perspektiv-Wechsel, eine Stadt vom Wasser aus zu entdecken. Weil Wasser gefühlt Natur in die Stadt bringt und gleich so viel frischer wirkt. Natur gibt’s in Göteborg aber auch an Land. Einer der schönsten Parks ist der Trädgårdsföreningen Park mitten in der Göteborger Altstadt. Der Eintritt ist frei. Dich erwarten wunderschöne Rosen- und Kräuter-Gärten. Highlight ist sicherlich das Palmenhaus mit tropischen Pflanzen.
Etappe 7 -> Göteborg bis Varberg
Dann geht es zurück in die Natur. Die Region Halland südlich von Göteborg macht es uns schwer, eine Wahl zu treffen: Was schaut man an, was lässt man weg? Die vielen Schlösser zeugen davon, wie begehrt die Region auch bei den Königen war. In Varberg relaxen wir im Kallbadhus mit Saunen und dem Meer als Swimming-Pool. Es ist übrigens eines der meistfotografierten Gebäude Schwedens. Das Erlebnis komplettiert nochmals unser Bild vom schwedischen Leben in der Natur – ohne Widersprüchlichkeiten.
In der Camping Destination Apelviken gehen wir um 22 Uhr zum Minigolf spielen und trauen unseren Augen nicht: Prime-Time auf dem Golfplatz! Während die Sonne im Norden untergeht und der Vollmond im Süden strahlt, tummeln sich an den Spielbahnen junge Leute, fast ausschließlich Schweden. Ab und zu versteht man ein Wort, meistens überhaupt nichts. Und man lässt sich einfach fallen in die friedliche Atmosphäre zwischen Mondauf- und Sonnenuntergang.
Übrigens: Apelviken ist ein sehr gut organisierter, großer Campingplatz mit einem umfangreichen Angebot an Aktivitäten und Tagesprogramm. Von Windsurfen über SUP bis hin zu Minigolf. Swimming-Pool inklusive, Hot Tub stundenweise buchbar.
Etappe 8 -> Von Varberg nach Halmstad
Halland ist bekannt für seine schönen Sandstrände. Ganz naturnah und wild ist es in Haverdal, wo direkt angrenzend an Haverdals Camping unzählige Wanderwege durch das Naturreservat inklusive Dünen führen und anschließend der Strand zum Baden einlädt. Wer Beach Life will, wird etwas weiter südlich an Schwedens berühmtestem Sandstrand Tylösand fündig.
Hier kann man sämtliche Sportarten auf und am Wasser betreiben, ein bisschen sehen und gesehen werden und auf After-Beach-Partys gehen. Wer es ruhiger möchte, bucht ein Spa-Erlebnis, beispielsweise im Strandbaden des Hotel Falkenberg Strandbad.
Alternativ oder zusätzlich lohnt sich ein Abstecher ins Landesinnere, wo beim Dinner im Tiraholm Fisk nur Fisch aus dem Bolmen, dem größten See Smålands, auf den Teller kommt.
Outdoor & Aktiv
Aktivitäten
in Schweden
Was wäre ein Roadtrip ohne die Erfahrungen und Erlebnisse entlang des Wegs? Eine Paddeltour hier, eine Radrunde dort oder eine Wellness-Auszeit zum Träumen ♡
Paddeltour mit Fika-Pause bei Kajaktiv Tjörn: Zwischen kleinen Inseln hindurch gelangt man in Fischerdörfer mit hübschen Häfen. Nicht ohne Picknick-Stopp auf einer der menschenleeren Inseln.
Auf zu den vorgelagerten Inseln der Küste (Schären)! Beispielsweise kombinierbar mit einer Radtour: von Karlskrona mit der kostenlosen Fähre auf die Insel Aspö und dort die Inselnatur mit dem Rad entdecken.
Beachlife, Wassersport und After-Beach-Partys gibt es am Tylösand. Erholsam ist ein Tag im Falkenberg Spa, das mit Outdoor-Pool und Meereszugang bei jedem Wetter ein Traum ist.
Etappe 9 -> Von Halmstad bis Malmö
Mit jedem Kilometer, den wir Richtung Süden fahren, nähert sich das Ende unseres Road-Trips. Noch einmal in eine Stenugnsbageri gehen, den Duft des frischen Brotes inhalieren. Noch einmal auf der Halbinsel Kullaberg das Dorfidyll von Mölle und Arild erleben und schwedisches Kunsthandwerk bestaunen. Noch einmal durch einen Schlosspark schlendern, am Sofiero-Schloss vor Helsingborg. Dann nehmen wir Kurs auf Malmö, wieder ganz ohne Erwartungen. Das Meer dringt an unzähligen Stellen in das Zentrum der Stadt, halbwegs gebändigt in Kanälen.
Die Brücken können wir gar nicht mehr alle zählen. In der Markthalle locken „Imbissbuden“, eine schöner als die andere. Zum Abschied gehen wir hinunter zum Meer. Der Blick von der Sauna im Kallbadhus macht wehmütig. Eine Regenfront zieht gerade über Kopenhagen auf der gegenüberliegenden Seite des Meeres, während uns hier die Sonne ins Gesicht scheint. Als wir eine Stunde später mit dem Camper die 30 Kilometer nach Trelleborg fahren, zur Fähre um 11 Uhr abends, fühlen wir uns wie im falschen Film. Ist unser Vanlife echt schon zu Ende? Kann nicht sein. Bereits auf dem Heimweg schmieden wir neue Pläne. Der Sommer ist schließlich noch lang.
Werbehinweis | Diese Reise wurde unterstützt von Visit Schweden, Pössl und Primus. Die Inhalte und meine persönliche Meinung, die ich in diesem Beitrag wiedergebe, wurden dadurch nicht beeinflusst.






